Dynamisches und aufmerksames Sichern vorausgesetzt
Hallo Ihr Kletterer, Boulderer, Alpinkraxler, Eisbären usw.!
Mal ein kleiner Denkanstoss zum Thema sichern...
Ein guter Freund kam letztens in der Halle zu mir, wir redeten das übliche über unsere letzten starken Leistungen, Ferienerfahrungen, unsere Gebrechen (tja liebe Leute, irgendwann wird jeder älter)... und dann erzählte mir mein guter Freund über ein Erlebnis, das mich doch etwas schmunzeln ließ. Mein Freund, ein ziemlich stabiler Kletterer, Dauersolo und daher immer auf der Suche nach Kletterpartner (man verzeih mir an dieser Stelle meine Taktlosigkeit, da ich nicht gendere), hat wieder einmal ein Nahtoderlebnis so lebensnah beschrieben, dass man das Lächeln verkneifen musste. "Da war dieser Typ, 4 Jahre Klettererfahrung gemäss seiner Aussage, drinnen wie draussen, aufmerksamer und dynamischer Sicherer... Also ein idealer Gefährte, dem Du dein Leben in die Hände legen kannst. Dann klettert man, 10m, 20m,... dann ein Sturz... und man befindet sich wieder fast am Boden".
Ich muss Euch nicht beschreiben, wie mein Freund sein Leben danach wieder in die eigenen Hände genommen hat und den Klettertag frühzeitig beendet hat.
Was mich an der kleinen Geschichte zum Lächeln gebracht hat, war der Satz "aufmerksames und dynamisches sichern". Diesen Satz hört man viel und liest man in diesem Forum noch mehr. Dynamisches sichern? Ist nicht wirklich schwer... 5m Schlappseil, und der dynamische Sturz ist vorhanden. Aufmerksames sichern? Ich glaube, die meisten verwechseln das mit "ich habe meine Augen auf Dich gerichtet und lass mich nicht ablenken". Klar, dies ist bereits die halbe Miete. Aber was ist mit der richtigen Reaktion? Einfach das Seil anziehen wenn der Vorsteiger fällt, ist nicht immer hilfreich... fällt man über das kleine Dach und der Sicherer sichert, aufmerksam wie er ist, macht der Kopf unter Umständen Bekanntschaft mit der Kante. Auf einer Platte möchte man lieber nicht zuviel Seil haben zum fallen, sonst gibts geraffeltes.
Kommen wir noch zu meinem Lieblingsthema, was mein Freund nicht erwähnt hatte, ich aber überall in diversen Hallen beobachte: "Das Sicherungsgerät im Griff haben". Tjjjjaaaa... ich lehne mich jetzt weit hinaus und wage zu behaupten, dass ca. 80% aller Kletterer das eigene Sicherungsgerät nicht Richtig handhaben. Der Smartsicherer schiebt bei jedem Seilausgeben die Sicherung nach oben, um schnell Seil zugeben. Der Grigrisicherer dasselbe, man drückt die Rückversicherung runter und gibt schnell das Seil aus. Ist einfach. geht schnell und kommt meiner Meinung nach ab und zu mal vor wenn es oben an der Wand schnell geht. Dabei kann man bei beiden Sicherungsgeräten das Seil geschmeidig ausgeben, ohne das die Sicherung permanent gedrückt werden muss, oder?
Was ich zum Erlebnis meines Freundes verschwiegen habe: Der Sicherer hatte die Hand immer wieder auf der Seilbremse (Grigri). Klar, wenn man behauptet das man dynamisch und aufmerksam sichert, dann geht das so halt einfacher. Nur leider war der Sturz dermassen überraschend und die 1 Sekunde genügte, damit aus dem 2m Sturz ein 10m Sturz wurde.
Fazit: Vielleicht kann der eine oder andere an seiner Sicherungstechnik doch noch was lernen? Traut nicht jedem, der zig Jahre Erfahrung vorweist (falsch gelernt ist halt falsch)?
Klugscheisser mag ja bekanntlich niemand, aber hey, evt. hilft es jemanden, bevor man nach einem Horrorerlebnis wieder Zeit für das überwinden der Sturzangst überwinden muss ;-).
Grüsse!